Den Sommer auf den Teller

Lebensfreude, Lust, Liebe, Lachen, Kreativität, Inspiration entsprechen der Wandlungsphase Feuer. Dazu passt als Jahreszeit der Sommer, der kalendarisch am 21. Juni beginnt. Die alten Weisen empfahlen, sich der Jahreszeit gemäß zu verhalten. Das gilt auch für die Ernährung. Damit ist jedoch mehr als Grillen im Garten gemeint.

Heitere Stimmung – leichte Speisen

Lebensfreude, Lust, Liebe, Lachen, Kreativität, Inspiration entsprechen der Wandlungsphase Feuer. Dazu passt als Jahreszeit der Sommer, der meteorologisch am 1. Juni beginnt. Die alten Weisen empfahlen, sich der Jahreszeit gemäß zu verhalten. Das gilt auch für die Ernährung. Damit ist jedoch mehr als Grillen im Garten gemeint.

Zu der heiteren Leichtigkeit, die im Sommer angezeigt ist, würden schwer im Magen liegende Eintöpfe ganz und gar nicht passen. Heiterkeit und Leichtigkeit kommen dann auf, wenn das Qi, die Lebensenergie, und das Blut unbeschwert fließen können.

Mehr noch: die Energie sollte nach „oben“ fließen. Nach oben zum Herzen und um den Geist, den „Kopf“, frei zu halten von schweren Gedanken. Dazu passen zum Beispiel Blattsalate und leicht verdauliche, nicht zu lange gekochte Gemüse.

Und zur Oberfläche, zur Haut, soll die Energie fließen. Damit soll verhindert werden, dass sich im Inneren des Körpers Hitze anstauen kann. Mit anderen Worten: das Schwitzen soll gefördert werden, wenn es heiß wird. Aber bitte nehmen Sie dafür keine Eiswürfel. Wenn Sie schon mal in heißen Ländern waren, dann wissen Sie vielleicht, dass die Menschen dort heißen Tee trinken und keine Cola mit Eiswürfeln. Der heiße Tee, und zusätzlich oft scharf gewürzte Speisen, treiben die Hitze von Innen nach außen.

Warum ist das wichtig? Dem Sommer ist das Herz zugeordnet, das im Sommer des besonderen Schutzes bedarf. Da es, wie der Sommer, zur Wandlungsphase Feuer gehört, muss es vor Hitze geschützt werden. Besonders bei schwül-warmem Wetter bekommt man leicht Kreislaufprobleme.

Sie brauchen nicht zum Rohköstler zu werden

Es heißt es auch, im Sommer soll die kühlende Kraft des Körpers, die wie ein Thermostat funktioniert, bewahrt werden. Auch dafür sollten Sie nichts aus dem Kühlschrank essen oder trinken. Dafür stellt die Natur uns säftereiches Obst und wasserreiche Gemüsesorten zur Verfügung. Beide kühlen den Körper und befeuchten ihn zusätzlich, kompensieren so den Flüssigkeitsverlust durch das Schwitzen.

Im Sommer haben Gurken, Tomaten, Radieschen, Rettich und Zucchini, Staudensellerie und Paprikaschoten Saison, die dem Körper genügend Flüssigkeit zur Verfügung stellen und zusätzlich eine kühlende Wirkung haben. Damit Sie nicht gleich zum Rohköstler werden: Auch gekocht oder gedünstet behalten die Gemüse noch ihre kühlende Wirkung.

An Obst kommen im Sommer Erdbeeren, Stachelbeeren, Johannisbeeren, Himbeeren, Brombeeren, Aprikosen, Pfirsiche, Mirabellen, Pflaumen und Äpfel und Birnen auf den Markt.

Vom Geschmack her sind viele Gemüse süß, aber teilweise auch scharf. Nach der Chinesischen Medizin ist der süße Geschmack der am meisten nährende. Gemeint ist die Süße, die sich beim Kauen von gekochtem Reis im Mund entfaltet, nicht die von Süßigkeiten. Das Scharfe hilft, Qi und Blut zu bewegen. Einige Blattsalat wie Radicchio sind bitter und süß. Der bittere Geschmack unterstützt das Herz und regt die Magensäfte an. Der saure Geschmack im Obst hilft, die Säfte im Körper zu bewahren und zu fördern.

Sie können daran erkennen, dass die Natur uns im Sommer aufs Beste versorgt.

Sommerliches ohne großen Aufwand

Im Frühsommer ist das heimische Gemüse so schmackhaft und zart, dass es ohne großen Aufwand zum Mittelpunkt einer Mahlzeit werden kann.

An Grundnahrungsmitteln sind neue Kartoffeln zum Beispiel als Pellkartoffeln mit Quark oder auch nur mit Butter und Salz ein Fest – und nicht zu vergleichen mit der wässrigen Importware. Übrigens eine einfache Speise, um Ihr Qi und Blut zu stärken.

Und den Quark können Sie gut anreichern mit allen möglichen grünen Küchenkräutern, die Sie auf dem Wochenmarkt finden oder im einen Garten. Wenn Sie in der Frankfurter Gegend wohnen, kennen Sie die „Grüne Soße“, für die schon Goethe schwärmte und sich später sogar nach Weimar schicken ließ.

Sieben Kräuter gehören in die Frankfurter Grüne Soße: Petersilie, Kerbel, Borretsch, Pimpinelle, Kresse, Schnittlauch, Sauerampfer. Andere Kräuter wie Dill, Estragon oder gar Basilikum würden den Geschmack genauso übertönen wie Knoblauch, Zwiebel oder Gewürzgurke.

Kreative Frische auf den Tisch

Eigentlich wäre damit über die Ernährung im Sommer fast schon alles gesagt, wenn es nicht besonders im Frühsommer für nur kurze Zeit Gemüsesorten gibt wie dicke grüne Bohnen („Saubohnen“), Erbsen, Mangold und Spitzkohl. Sie sollten diese Artenvielfalt nutzen und auch mal neue Rezepte ausprobieren, denn die Natur hält jetzt viel für uns bereit. Und das frische Gemüse ist besonders nährstoffreich.

Dicken Bohnen oder Saubohnen zum Beispiel erhalten Sie besonders im Juni und Juli frisch auf dem Wochenmarkt. Wundern Sie sich nicht, wenn Sie eine große Tüte Bohnen kaufen und nach dem Auspellen der Bohnenkerne aus den wattierten Schoten am Ende eine viel kleinere Menge im Topf haben.

Kochen Sie die Bohnen ca. 20 – 30 Minuten in Wasser, gießen Sie danach ab und schwenken Sie sie in warmen Olivenöl. Dann salzen, pfeffern und mit Zitronensaft beträufeln. Dazu reichen Sie Couscous oder Polenta. Probieren Sie es mal aus.

Dicke Bohnen – aus der Schale pellen, kochen, abgießen, mit Olivenöl und viel Zitronensaft und etwas Salz vermengen und essen.

Die süßesten Erdbeeren des Sommers sind bald günstig zu haben. Die Erdbeeren schmecken sehr gut mit Quark zusammen. Träufeln Sie noch ein wenig Zitrone über die Erdbeeren, ein wenig Vanillezucker schadet auch nicht.

Zudem gibt es demnächst auch Stachelbeeren. In manchen Regionen Deutschlands serviert die Köchin zum Kalbsbraten eine süß-saure Sauce aus Stachelbeeren.

In Stücke geschnittene Tomaten, Gurken, glatte Petersilien-Blätter und Knoblauch mit Essig und Olivenöl ergeben einen herrlichen Salat an heißen Tagen.

Überhaupt können Salate ab sofort bunt ausfallen: Mischen Sie nach Herzenslust Friséesalat, Lollo Rosso, Rucola, Eichblattsalat, Gurke und Radicchio – alles aus heimischem Anbau. Auch dünn geschnittener Fenchel schmeckt gut im Salat, wer es schärfer mag, greift zu knackfrischem weißem Rettich.

Guten Appetit!

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Über Helmut Magel

Ich bin seit über 25 Jahren Heilpraktiker, arbeite in meiner Praxis mit Akupunktur, Kräutertherapie, Tuina und Diätetik. Geboren 1946, lernte ich ursprünglich Verlagsbuchhändler (daher die Liebe zur Literatur), studierte Visuelle Kommunikation an der Werkkunstschule Wuppertal (davon blieben das Zeichnen, Fotografieren und die Kalligrafie), fügte noch ein Lehrer-Studium hinzu, das ich mit der 2. Staatsprüfung abschloss (davon blieb das Unterrichten und die Freude daran, später die Leitung einer Akupunkturschule und das Schreiben). In den 80er Jahren kam ich mit Taijiquan in Kontakt, verfiel schließlich der chinesischen Philosophie und Medizin und wurde Heilpraktiker für TCM und Lebensberatung. Im Laufe der Jahre schrieb ich zahlreiche Artikel und Buchbeiträge zur Chinesischen Medizin. Mit dem Blog möchte ich mich aktiv beteiligen an der Diskussion um ein humanes Gesundheitssystem und an der Frage, wie wir unsere geistige und körperliche Elastizität pflegen und möglichst lange bewahren können. (April 2016) Wenn Sie mehr über mich erfahren wollen, lesen Sie unter "Über mich" weiter.

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