Vorfrühling und was die Natur hergibt

Der Frühling beginnt

In diesem Jahr scheint sich der Winter sehr zeitig zu verabschieden. Ende Februar erreicht die Temperatur im Rheinland bereits die 20-Grad-Marke. Cafèhaus-Tische stehen wieder draußen, es beginnt zu blühen, die Tage werden länger, das morgendliche Aufstehen gelingt wieder leichter.

Frühlingsbeginn nach Kalender und nach Naturbeobachtung

Meteorologisch spannt sich der Frühling vom 1. März bis Ende Mai. Die meteorologische Einteilung orientiert sich an dem jahreszeitlichen Temperaturverlauf, was bei den astronomischen Jahreszeiten weniger der Fall ist. So sind in unserem Klima die drei kältesten Monate Dezember, Januar und Februar auch wirklich als „Winter“ erfasst und die drei wärmsten Monate des Jahres Juni, Juli und August als „Sommer“.
Unser Gregorianischer Kalender setzt den Frühlingsbeginn auf den 21. März fest, dann sind Tag und Nacht exakt jeweils 12 Stunden lang. Das ist die Frühjahrs-Tag-und Nacht-Gleiche. In der Natur jedoch zeigt sich, dass zum Beispiel im Rheintal zwischen Köln und Düsseldorf in einer Höhe von etwa 50 m über NN bereits um den 12. Februar herum die Hasel blüht, unabhängig von der mehr oder weniger frostigen Witterung.

Blüten der Virginischen Zaubernuss (Hamamelis)

Aufgrund einer inneren biologischen Uhr reagieren die Pflanzenarten nach der Winterruhe auf die jahresrhythmischen Veränderungen von Licht und Wärme nicht alle gleichzeitig, sondern haben für sich jeweils zweckmäßige Eigenzeiten entwickelt. Die Phänologie beobachtet die Vegetation in den Jahreszeiten nach sehr feinen Kriterien. So gibt es im Naturkalender zehn Vegetationsphasen – nicht nur vier, wie im normalen Kalender.

Der Frühling teilt sich in drei Phasen:
Vorfrühling: beginnt, wenn Hasel und Schneeglöckchen blühen
Erstfrühling: wenn Schlehen und Löwenzahn in voller Blüte stehen
Vollfrühling: wenn Flieder und Apfelbäume blühen.
Die älteste Beobachtungsreihe existiert seit 705 n. Chr.: für das Kirschblüten-Fest am Kaiserlichen Hof in Japan wird seit über 1300 Jahren der Beginn der Kirschblüte dokumentiert. Der Zeitpunkt der Kirschblüte und (bei uns in Deutschland) der Apfelblüte sind wichtige Indikatoren für die Erfassung von zeitlicher Veränderungen in der Natur.

Saisonale Nahrungsmittel

So hat jede Gemüse- und Obstsorte ihre „Saison“ (Saison frz. = Jahreszeit). In unseren Breiten stellt uns die Natur im Sommer zum Beispiel Blattgemüse und Früchte zur Verfügung, im Winter Wurzelgemüse und die verschiedensten Kohlsorten.

Der Frühling gehört – der Chinesischen Medizin gemäß – zur Wandlungsphase Holz. Die passende Ernährung sollte dem Lebensgefühl des Frühlings entsprechen, also dem Neubeginn, der aufkommenden Wärme, dem Mehr an Dynamik. Traditionell kennen wir die nach Karneval einsetzende Fastenzeit, die bis Ostern dauert. Das ist eine Zeit der Reinigung, des „Frühjahrs-Hausputzes“, der äußerlich und innerlich vorgenommen werden soll. Den „Speck“, den wir im Winter ansetzen durften, können wir im Frühjahr durch Fasten wieder loswerden.
Unsere Speisen sollten demnach leicht verdaulich sein, nicht schwer im Magen liegen. Die Mengen könnten geringer ausfallen. Statt Gebratenes wäre Gekochtes, Gedünstetes zu bevorzugen, aber auch Rohkost in Kombination mit Gekochtem.
Was stellt uns die Natur bzw. der Freiland-Anbau zwischen Anfang März und Ende Mai zur Verfügung?

Wildkräuter im Frühjahr zur Umstimmung

Der Huflattich blüht jetzt sehr schön sonnengelb.

In der freien Natur finden wir Scharbockskraut, Löwenzahn, Bärlauch, Vogelmiere, Gänseblümchen, Brennesseln, Giersch, Sauerampfer.
Im Garten finden wir:
Kerbel
Schnittlauch.
Dies sind die eigentlichen Boten des Frühlings. Sie haben Inhaltsstoffe, die unsere Lebenskräfte stärken und unseren Organismus wieder in Schwung bringen. Vom Geschmack her sind sie teils würzig, teils scharf, aber auch bitter. Man sollte diese Kräuter überreichlich zum Würzen und zu Gemüsebeilagen verwenden, denn sie wirken entschlackend und sind genau richtig gegen Frühjahrsmüdigkeit und zum Antreiben unseres Stoffwechsels. Ein weiterer Vorteil: Wenn Sie Speisen reichlich mit Kräutern würzen, können Sie mit dem Salz „sparen“.

Gemischter Salat zum Probieren

Zu den allerersten Frühlingsblümchen gehört das gelb blühende Scharbockskraut. Dessen junge Blätter können vor der Blüte gesammelt werden. Sie schmecken angenehm würzig und können wie die jungen Blätter von Löwenzahn, Bärlauch, Vogelmiere, Giersch, Kerbel als Salat, auch gemischt mit Feldsalat, den es noch gibt, gegessen werden. Garnieren lässt sich das mit Huflattich-, Löwenzahn- und Gänseblümchen-Blüten. Dazu passen gekochte Kartoffeln, die in Scheiben geschnitten untergehoben werden. Zur Vinaigrette kann man Senf zufügen, denn im Frühling ist der scharfe Geschmack durchaus förderlich. Er dynamisiert, regt an und macht durchgängig. Er ist also bestens geeignet, die Holz-Energie des Sprießens und des Neubeginns zu unterstützen.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Ernährung und Gastrosophie abgelegt am von .

Über Helmut Magel

Ich bin seit über 25 Jahren Heilpraktiker, arbeite in meiner Praxis mit Akupunktur, Kräutertherapie, Tuina und Diätetik. Geboren 1946, lernte ich ursprünglich Verlagsbuchhändler (daher die Liebe zur Literatur), studierte Visuelle Kommunikation an der Werkkunstschule Wuppertal (davon blieben das Zeichnen, Fotografieren und die Kalligrafie), fügte noch ein Lehrer-Studium hinzu, das ich mit der 2. Staatsprüfung abschloss (davon blieb das Unterrichten und die Freude daran, später die Leitung einer Akupunkturschule und das Schreiben). In den 80er Jahren kam ich mit Taijiquan in Kontakt, verfiel schließlich der chinesischen Philosophie und Medizin und wurde Heilpraktiker für TCM und Lebensberatung. Im Laufe der Jahre schrieb ich zahlreiche Artikel und Buchbeiträge zur Chinesischen Medizin. Mit dem Blog möchte ich mich aktiv beteiligen an der Diskussion um ein humanes Gesundheitssystem und an der Frage, wie wir unsere geistige und körperliche Elastizität pflegen und möglichst lange bewahren können. (April 2016) Wenn Sie mehr über mich erfahren wollen, lesen Sie unter "Über mich" weiter.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.