Archiv der Kategorie: Gesundheitspolitik

Ausgebrannt – Burnout

Erste Anzeichen von Erschöpfung haben Sie sicher schon selbst erlebt. In der Regel verschwinden sie nach einer Ruhepause, einem längeren Urlaub oder einer Veränderung der Arbeitssituation.

Erschöpfungs-Spirale

Ein gewisses Maß an Stress hält jeder Mensch aus. Zu viel Stress kann sich jedoch durch körperliche Symptome wie Rücken- oder Magenschmerzen, Muskelverspannungen, Tinnitus oder erhöhter Infekt-Anfälligkeit bemerkbar machen.

Wenn Sie aufgrund Ihrer individuellen Konstitution und einer extremen Arbeitsbelastung in die zweite Phase der Erschöpfungsspirale geraten, dann bekommen Sie Schlafstörungen, leiden unter Konzentrationsmangel und sind permanent müde oder gereizt. Eine typische Reaktion auf diese Symptome ist, sich noch mehr in Arbeit zu stürzen. Dann gerät man in die dritte Phase der Erschöpfungsspirale, die meist mit Depression verbunden ist.

Umfragen zufolge fühlen sich etwa 13 % aller Beschäftigten in Deutschland mit ihrer Arbeit überfordert. Insofern ist die öffentliche Aufmerksamkeit gegenüber dem Burnout durchaus hilfreich, weil sie vielen Arbeitnehmern hilft, psychische Beschwerden zu artikulieren, auch solchen, die ohne diesen Begriff das Thema meiden würden.

Das Burnout-Syndrom und andere stressbedingte Erkrankungen werden laut WHO eine zentrale Rolle in der Gesundheitsversorgung des 21. Jahrhunderts spielen.

Im DAK-Gesundheitsreport 2013 heißt es: „Die mit Abstand auffälligste Entwicklung im Arbeitsunfähigkeitsgeschehen ist die Zunahme von Fehltagen aufgrund einer psychischen Diagnose. Diese Zunahme betrifft die Fehltage (seit 1997 Zunahme um 165 Prozent), die Fälle (Zunahme um 142 Prozent) und die Betroffenenquote (Zunahme um 131 Prozent) gleichermaßen. 2012 sind die psychischen Erkrankungen erstmals auf Rang 2 der wichtigsten Ursachen für Arbeitsunfähigkeit, gemessen an ihrem Anteil an den Fehltagen. Nur Muskel-Skelett-Erkrankungen verursachen noch mehr Arbeitsunfähigkeitstage.

Frauen sind fast doppelt so häufig von einer Arbeitsunfähigkeit wegen einer psychischen Diagnose betroffen wie Männer (5,9 zu 3,3 Prozent)“.

Engagiert ausbrennen

Vor allem sind es die Engagierten und Fleißigen, die es trifft, nach dem Motto „nur wer für seine Sache brennt, kann auch daran ausbrennen“. Engagiert und euphorisch hehre Ziele verfolgen, Überstunden machen, sich an Hindernissen aufreiben, dem Konkurrenzdruck, Ärger mit dem Chef, Problemen mit Kollegen Stand halten, die zunehmende Frustration ignorieren…
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Beim Arzt

Ich bin an Ihrer Seite

Kolumne von Birgit Schmid Neue Zürcher Zeitung
Was passiert in dem Moment, während man auf eine Diagnose wartet? Fantasiebegabte
Menschen sehen das Schlimmste kommen. Umso wichtiger ist der gute Arzt.
 Was für ein Pech, wenn der Arzt des Vertrauens selbst zum Pathologischen neigt. Hugh Laurie als Dr. House aus der gleichnamigen Serie, 2011. (Bild: Imago)

Was für ein Pech, wenn der Arzt des Vertrauens selbst zum Pathologischen neigt. Hugh Laurie als Dr. House aus der gleichnamigen Serie, 2011. (Bild: Imago)

Da sitzt man und wartet und hat nichts zu befürchten und befürchtet das Schlimmste. An der Wand ein Hans Erni, die Zeitschrift im Gestell drei Wochen alt, in der Ecke steht sorglos der Wasserspender. Trockenes Husten am Ende der Reihe, gegenüber ein graues Gesicht. Eine Frau tippt lächelnd in ihr Handy.

Negative Egozentrik

Was passiert zwischen dem Moment im Wartezimmer und dem Moment, in dem man in ein Sprechzimmer geleitet wird, um untersucht und abgehorcht, durchleuchtet und befragt zu werden und eine Diagnose zu erhalten auf den unbestimmten Schmerz, das langsame Vergessen, die Stille im Bauch?

Man überlegt sich, was man alles zu opfern bereit wäre. Keinen Alkohol mehr, eine grosse Spende, die Affäre. Oder doch lieber mit dem Beten anfangen?

Man nimmt vorweg, was alles möglich wäre, und muss dafür nicht einmal besonders zum Dramatischen neigen. Es reicht der frühe Krebstod einer Freundin, eine Schwäche für «Dr. House» oder die Wahrscheinlichkeitsrechnung, die umso ungünstiger ausfällt, je älter man wird. Warum sollte gerade ich verschont bleiben? Manche mögen es negative Egozentrik nennen: Wer sich sogar im Leiden auserwählt sieht, nimmt sich zu wichtig. Für die anderen setzt das magische Denken ein. Man überlegt sich, was man alles zu opfern bereit wäre. Keinen Alkohol mehr, eine grosse Spende, die Affäre. Oder doch lieber mit dem Beten anfangen?

Gewaltsamer Moment

Dann sitzt man dem Arzt oder der Ärztin gegenüber. Ein Strauss Tulpen auf dem Pult, ein Gehirnmodell spiegelt sich auf dem USM Haller, das Papier mit den Werten wartet auf eine Deutung. Es ist der Übergang vom Moment, in dem noch alles möglich ist, zum Moment, in dem alle anderen Möglichkeiten ausgeschlossen werden. Diágnosis heisst Bestimmung, Entscheidung. Ein gewaltsamer Moment: Das Leben verengt sich auf einen Punkt. Der Rest fällt davon ab.

Seit man das «Walk-in»-Gesundheitszentrum aufsucht statt den Hausarzt bei Grippe einmal im Jahr, zeichnet sich die Arztbeziehung durch Beziehungslosigkeit aus.

Man kann jetzt nur hoffen, bei einem guten Arzt zu sein oder einer Ärztin, die der Tastatur nicht einfach die Symptome übergibt, die man beschreibt, ohne einmal den Blick zu heben. Seit man aber das «Walk-in»-Gesundheitszentrum aufsucht statt den Hausarzt bei Grippe einmal im Jahr, zeichnet sich die Arztbeziehung durch Beziehungslosigkeit aus. Doch man möchte kein Kunde sein, sondern Patientin bleiben: um die sich ein kundiger Mensch kümmert, der ahnt, wie es ist, auf der andern Seite des Pultes zu sitzen oder auf der Liege zu liegen und angstvoll dem Durchmessen des Körpers auf dem Bildschirm zu folgen. Der weiss, was Angst bedeutet, ob vor etwas Eingebildetem oder begründet. Da ist ein neuer Schatten. Die Flecken sind grösser. Das Herz des Kindes schlägt nicht mehr.

Eindrücklicher Seitenwechsel

Ein Arzt sollte nicht kalt sein, aber das Leiden auch nicht in Pathos verwandeln. Mitfühlen, aber nicht mitweinen. Denn man braucht seinen Halt. Er nimmt uns ernst und sagt die Wahrheit. Angehende Ärzte lernen heute, was sie in schwierigen Situationen sagen sollten: Wir gehen da gemeinsam hindurch. Ich bin für Sie da.

Also müssten sie auch das Buch eines Arztes lesen, der zum Patienten wurde. Paul Kalanithi, ein junger amerikanischer Neurochirurg, steht eines Tages vor dem CT-Scan einer Lunge und sieht die Tumore. Er hat in seiner Karriere schon viele Scans begutachtet, «in der vagen Hoffnung, dass dem Patienten irgendwie geholfen werden könnte», wie er in seinem soeben auf Deutsch erschienenen Vermächtnis «Bevor ich jetzt gehe» schreibt: «Aber dieser Scan war anders, es war mein eigener.» Eindrücklich beschreibt er den Seitenwechsel. Er starb letztes Jahr mit 37 an Lungenkrebs.

«Es ist nichts Schlimmes», sagt der Arzt, «machen Sie sich keine Sorgen.»

Man ist davongekommen. Und hört auf zu beten.

NZZ-Redaktorin Birgit Schmid schreibt in ihrer Kolumne «In jeder Beziehung» wöchentlich über Zwischenmenschliches.

Informieren Sie Ihren Hausarzt über Ihre TCM-Behandlung?

Blick aus der gewohnten Welt

Blick aus der gewohnten Welt: Da gibt es noch was anderes!

Bemerkungen aus Anlass einer amerikanischen Studie

Patienten informieren ihren Hausarzt häufig nicht über komplementärmedizinische Behandlungen bei Heilpraktikern oder Ostheopaten. Dazu gehören auch Akupunktur- oder Kräuterbehandlungen. Einer amerikanischen Studie zu Folge halten Patienten diese Information nicht für relevant, und die Ärzte fragen nicht danach. Die Autoren der Studie gingen im Vorfeld davon aus, dass Patienten beim Thema Alternativ- und Komplementärmedizin zurückhaltend sind, weil sie befürchten, dass Hausärzte dem eher ablehnend gegenüberstehen und von einer Anwendung abraten.

Dem scheint – zumindest in den USA – nicht so zu sein.  Beteiligt hatten sich an Umfrage im Jahr 2012 mehr als 100.000 US-Amerikaner, wovon rund 34.500 Erwachsene auch den Fragebogen zur Komplementärmedizin ausfüllten.

Fast 30 % der Patienten hatten in den vergangenen zwölf Monaten alternative und komplementäre Methoden verwendet. 42 % davon hatten ihrem Hausarzt aber nichts davon erzählt. Am häufigsten (57 %) wurde das damit begründet, dass der Arzt nich danach gefragt habe. Am zweithäufigsten hieß es „Ich ging davon aus, dass es der Arzt nicht wissen muss“ (46%).

Nur 3 % befürchteten eine negative Reaktion oder vermuteten, dass der Hausarzt ihnen die Therapie ausreden würde.

Ältere trauen sich oft nicht, etwas zu sagen, aus Angst, der Arzt könne sauer auf sie sein oder seinen Unmut darüber äußern. Leider gibt es in der Tat noch genügend Ärzte/Ärztinnen, die für komplementärmedizinische Behandlungen gar kein oder wenig Verständnis aufbringen. Am ehesten erwähnen Patienten die Komplementärmedizin, wenn sie von Hausärzten eine Akupunktur oder Massage verordnet bekommen wollen.

Im alten China: Massage im Friseursalon

Im alten China: Massage im Friseursalon

Interessant ist für Deutschland eine Feststellung, die die Bertelsmann-Stiftung in ihrem „Gesundheitsmonitor 2012“ macht: Die Viel-Nutzer komplementär-alternativer Medizin (CAM) „sind häufig zwischen 40 und 59 Jahren alt, weiblich, verfügen über höhere Bildung und höheres Einkommen, und sind oder waren im Gesundheitsbereich tätig. Der Gesundheitszustand dieser Gruppe ist meist schlechter, das Gesundheitsbewusstsein größer. Interessant: Unter den Viel-Nutzern gibt es nicht nur überproportionall vielle Befürworter von CAM-Verfahren, sondern noch mehr Personen mit einer ambivallenten Haltung. CAM-Verwender sind also durchaus kritisch gegenüber den Therapien, die sie anwenden.“

http://www.carstens-stiftung.de/artikel/bertelsmann-gesundheitsmonitor-2012.html

In dem Zusammenhang spielen jedoch nicht nur Wertevorstellungen und und Präferenzen auf Seiten des Patienten und des Arztes eine bedeutende Rolle, sondern auch mangelnde Kenntnisse bei den Ärzten. Ein allgemeinmedizinischer Ansatz erfordert durchaus, dass der Arzt/die Ärztin unvoreingenommen zur Kenntnis nimmt, wenn Patienten Präparate aus dem alternativen Spektrum einnehmen, die mit Medikamenten interagieren können. Oder – was oft der Fall ist – Nebenwirkungen der vom Arzt verschriebenen  Medikamente mildern oder aufheben.

Noch einmal zu den Ergebnissen der Studie: Von den Patienten, die mit ihrem Arzt über alternative Verfahren gesprochen hatten, nannten 75 Prozent Kräuterpräparate und Nahrungsergänzungsmittel, 61 Prozent erwähnten einen Chiropraktiker oder Osteopathen; ähnlich viele sprachen über spezielle Diäten, Akupunktur und Homöopathie. Nur rund ein Drittel erwähnte Yoga, Tai Chi oder Meditation.

Fazit der US-Forscher: Ärzte sollten gegenüber ihren Patienten das Thema Alternativ- und Komplementärmedizin häufiger ansprechen.

http://archinte.jamanetwork.com/article.aspx?articleid=2500061

Ärzte der Arbeitsgruppe Komplementärmedizin in der DEGAM schreiben in dem Artikel „Komplementärmedizin in der hausärztlichen Praxis“:

In vielen Hausarztpraxen gibt es ein Miteinander sogenannter „konventioneller Medizin“ und „Komplementärmedizin“. Komplementärmedizinische Therapieverfahren speisen sich aus der Fortexistenz traditioneller (europäischer) Heilmethoden, oft auch als klassische Naturheilverfahren bezeichnet (z. B. Pflanzenheilkunde, Hydrotherapie), aus neu bzw. im Laufe der letzten 200–300 Jahre entwickelten Verfahren (z. B. Homöopathie, Anthroposophische Medizin) sowie aus der Übernahme von Methoden anderer Kulturkreise (z. B. Akupunktur, Ayurveda).

Komplementärmedizinische Verfahren erfreuen sich einer großen Beliebtheit in der Bevölkerung, was für sich genommen schon eine wichtige Bedeutung für die hausärztliche Versorgung mit sich bringt. Die Vorliebe von Patienten für komplementärmedizinische Verfahren basiert auf einem komplexen Bündel von Motivationen und Gründen, welche für eine optimale hausärztliche Versorgung nicht ohne Bedeutung sind.

Unter den Motiven finden sich sogenannte Push-Faktoren (z. B. Unzufriedenheit mit konventionellen Behandlungsstrategien, keine konventionellen Behandlungsoptionen) genauso wie Pull-Faktoren (z. B. der Wunsch nach aktivem eigenen Beitrag zur Therapie).

In ihrem Fazit fordern sie:
• Einbringen komplementärmedizinischer Inhalte in die Leitlinienarbeit der DEGAM (Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin)
• Fokussierung und Homogenisierung komplementärmedizinischer Lehrinhalte für das Medizinstudium, für die Weiter- und Fortbildung; Vernetzung allgemeinmedizinischer Dozenten im Bereich Komplementärmedizin
• Austausch und Kontakte mit anderen Fachgesellschaften und Gruppen im Bereich Komplementärmedizin.

Das ist begrüßenswert und könnte dazu führen, das Ärzte interessiert nach komplementärmedizinischen Behandlungen  ihrer Patienten fragen und diese mit ihre therapeutischen Überlegungen einbeziehen.

https://www.online-zfa.de/article/komplementaermedizin-in-der-hausaerztlichen-praxis/uebersicht-review/y/m/939

Zum Ende einer Therapeutenschmiede für Chinesische Medizin und Akupunktur

Auf dem Drachen über Schluchten und Untiefen
Zum Ende einer Therapeutenschmiede für Chinesischer Medizin und Akupunktur

Druck

Ende einer Therapeutenschmiede. Nach 32 Jahren des Bestehens musste Ende 2015 das Ausbildungszentrum West schließen. Es war den Stürmen, Untiefen und und Unabwägbarkeiten des Aus-und Weiterbildungs-Marktes nicht mehr gewachsen. Dahinter lagen 16 Jahre der Schule in Bochum und 16 Jahre in Wuppertal. Über die Gründe lässt sich spekulieren, Das ABZ West, das zusätzlich den Namen ihres Gründers August Brodde führte, war schließlich eines von insgesamt sechs Ausbildungszentren, die mit der AGTCM kooperierten.

August_Brodde

August Brodde 1987 (Gründer der AGTCM) – Foto: Helmut Magel

Ich möchte Sie als Leserin und Leser einladen, diesen Anlass zu nutzen, einerseits die Erfolge dieser Schule zu betrachten und zugleich darüber nachzudenken, was es eigentlich heißt, Aus- und Weiterbildungen zur Chinesische Medizin durchzuführen und damit einen Standort im Reigen der „CAM“, der alternativ-komplementären Medizin, zu finden.

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